Siegfried

"Siegfried" (WWV 86C), der dritte Teil von Richard Wagners Opus summum "Der Ring des Nibelungen", ist das erste Werk, das im Festspielhaus Bayreuth uraufgeführt wird. Die Erwartungen des Publikums am 16. August 1876 sind groß, alle sind sie da: die Komponisten Franz Liszt, Anton Bruckner, Edvard Grieg, Peter Tschaikowsky, Camille Saint-Saëns, der Schriftsteller Leo Tolstoi, der Philosoph Friedrich Nietzsche und der deutsche Kaiser Wilhelm I. Groß ist wohl auch die Enttäuschung und das nicht nur, weil der Drache, den Siegfried im Kampf besiegt, ohne Hals erscheinen muss, ein eher belustigender denn furchterregender Anblick. Schuld daran war die Post, da nur drei der vier Kisten, in denen der Drache von London in die Festspielstadt geschickt worden ist, dort auch ankommen, die vierte Kiste geht vermutlich nach Beirut im Libanon.

Die Inszenierungen von Wagners Werken sind schon zu seinen Lebzeiten für innovative technische Lösungen bekannt. Auch bei Musikinstrumenten begnügt sich Wagner nicht mit dem vorhandenen Material. Für den "Ring des Nibelungen" sucht er nach einem zur nordischen Landschaft, wo die Nibelungensage ihren Ursprung hat, passenden Klang und lässt dafür ein Instrument bauen, das in seinem Klang Horn, Basstuba und Posaune vereinigt: die nach ihm benannte "Wagnertuba". Sie wird nicht von Tubisten, sondern von Hornisten gespielt und erklingt später auch in den Werken von Richard Strauss, Anton Bruckner und Giacomo Puccini.